Am 02. 10. 2026 im Amtsblatt von LE


Die ältesten Spielkarten der Welt

Das Deutsche Spielkartenmuseum be­sitzt einen unbezahlbaren Schatz: die Stutt­gar­ter Karten, das älteste er­hal­te­ne Kar­ten­spiel welt­weit! 49 der ehemals 52 Karten haben die Zeit überdauert. Sie sind um 1430 in Süd­west­deutsch­land ent­stan­den im Auftrag eines der bayrischen Her­zö­ge (es gab damals drei bayerische Her­zog­tümer). Sie konnten wegen ihres Ra­vens­bur­ger Was­ser­zei­chens recht genau datiert werden (in Ra­vens­burg lebten bis 1700 und im 19. Jahrhundert viele Kar­ten­her­stel­ler).

Spielkarten haben eine kurze Le­bens­dau­er, weil Feuchtigkeit und Haut-Fett ihnen zusetzen. Diese Karten haben jedoch überlebt, weil mit ihnen so gut wie nie gespielt worden ist; sie lagerten in Schatz­tru­hen oder "Protzschränken" und wur­den an Prinzessinnen zu deren Hoch­zeit weitergereicht. So kamen sie nach wechselndem Besitz vor gut 200 Jahren nach Stuttgart, wo sie geblieben sind, im würt­tem­ber­gischen Lan­des­museum auf­be­wahrt werden und ihren Namen erhielten.

Ihre Farbzeichen sind Hunde, Fal­ken, Hirsche, Enten (statt Kreuz, Pik, Herz, Karo). Die Figuren sind: König (mit Krone), oberster Diener (das Farbzeichen strebt nach oben) und normaler Diener (sein Farb­zei­chen steht unten). Die Karten sind recht groß (19 mal 12 cm), wurden einzeln hergestellt und mit leuchtenden Farben bemalt. Zum Beispiel fol­gen­de Hirsch-Oberhofdame:

Foto: DSM inventarisiert

Das Ungewöhnliche an den Stutt­gar­ter Karten ist die Gleich­be­rech­ti­gung von Mann und Frau: Es gibt zwei Königs-Farben (Enten und Fal­ken) und zwei Königinnen-Farben (Hun­de und Hir­sche)! Hinzu kom­men die Zah­len­kar­ten von 1 bis 10, auf denen das Farbsymbol so oft erscheint, wie die Zahl angibt. Für welches Kartenspiel sie bestimmt waren, wissen wir nicht.

Zusammen mit früheren Beiträgen ha­ben wir nun Bezüge zwischen Spiel­kar­ten und den Städten Ulm und Tü­bin­gen sowie Stutt­gart und Ra­vens­burg vor­ge­stellt. Fünf der Stuttgarter Karten und viele weitere Spielkarten (z.B. mit dem Thema Musik!) können Sie jeden Mittwoch von 14 bis 17 Uhr im Schau­de­pot des Museums in der Schön­buch­straße 32 besichtigen. Zu­sätz­lich ist das Museum in jedem Monat am ersten Sonntag mit Kaffee- und Kuchen­ver­sor­gung geöffnet, das nächste Mal über­mor­gen am 4.10.2026 ab 14 Uhr (ko­sten­freie Führungen ab 14:30 Uhr). Ko­sten­pflich­ti­ge Gä­ste­füh­run­gen zu an­de­ren Terminen sind möglich. Kontakte:

www.foerderverein-spielkartenmuseum.de, spielkartenmuseum@le-mail.de und Tel. 0711 7560 120.

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