Am 20. 03. 2026 im Amtsblatt von LE


Karnöffel - 600 Jahre

Karnöffelspiel - das ist der Stamm­va­ter sehr vieler Kartenspiele welt­weit! Es ent­stand in Süd­deutsch­land und wurde be­reits 1426 in der Stadt­rat­ver­ord­nung von Nörd­lin­gen als ein „Trumpfspiel“ ge­nan­nt, das als Kar­ten­spiel explizit erlaubt (!) wur­de und Bezüge zum Schach auf­wies. Es wurde später zum be­lieb­tes­ten Spiel bei Lands­knechten und in Gast­häu­sern. Zu­sam­men mit Tarock in Nord­ita­li­en ist es das älteste Kar­ten­spiel, des­sen Spiel­re­geln ei­ni­ger­ma­ßen re­kon­stru­iert wer­den konn­ten; denn Kar­ten­spiel-Regeln wurden erst ab dem 17. Jahr­hun­dert auf­ge­schrie­ben.

Das Spiel war aufsässig, weil es an der Gesellschaftsordnung rüttelte: Der „Kar­nöf­fel“ (im Spiel der je­wei­li­ge Trumpf-Bube) war ein „grober Lands­knecht“ und genau diese min­der­wer­ti­ge Karte hatte die höch­ste Stich­kraft und überstach so­gar den Papst (Trumpf 6) und den Kaiser (Trumpf 2). Das schmeichelte sicher der Selbst­ein­schät­zung der Sol­da­ten, be­scher­te aber manchen Kar­ten­her­stel­lern hohe Strafen, die da­durch gegen die gött­liche Ord­nung auf Erden ver­stoßen hatten.

Ganz in der Nähe bei uns, in Her­ren­berg, tauchen unten im rechten Al­tar­bild der Stiftskirche Lands­knechte auf, die Jesus am Kreuz bewachen sollten, aber dem Kar­ten­spiel (das es zu Jesu Zeiten noch nicht gab) hul­dig­ten - sehr wahr­schein­lich spiel­ten sie pflichtwidrig Karnöffel:

Herrenberg 1519

Foto: wikipedia, gemeinnützig

Karnöffel-Spiele haben sich an ab­ge­le­ge­nen Orten erhalten, z.B. in Tälern der Schweiz, in Friesland und auf den Färöer-Inseln - und viel­leicht in Lein­fel­den, denn wir wollen uns im kom­men­den Winter auch diesem Spiel zuwenden.

Noch gibt es in L-E das Allein­stel­lungs­merk­mal „Deutsches Spiel­kar­ten­mu­se­um“! Schauen Sie es sich an (mit Kaffee und Kuchen) in der Schön­buch­stra­ße 32
mitt­wochs von 14 bis 17 Uhr und auch am Oster­sonn­tag sowie am 22. und 29. März von 14 bis 17 Uhr im Stadt­museum, Haupt­stra­ße 79, jeweils mit Vortrag.

Tel. 0711 7560 120

www.foerderverein-spielkartenmuseum.de,

spielkartenmuseum@le-mail.de


(V. Claus)