Am 27. 03. 2026 im Amtsblatt von LE


Der Kupferstich im Universum

Der Kupferstich wurde Anfang des 15. Jahrhunderts erfunden: Ritze ein Bild seitenverkehrt in eine Kupfer­plat­te, wal­ze dann Farbe über die Platte, wische die oberflächliche Farbe ab, so dass Farbe nur in den Ritzen verbleibt, presse Papier so auf die Platte, dass das Papier auch in die Ritzen gedrückt wird - und schon hast du das Bild auf das Papier gedruckt. An den Spiel­kar­ten wurde diese neue Kunst­fer­tig­keit jahrhundertelang de­mon­striert.

Das Einritzen bzw. Abheben des Kupfers erfolgt mit einem
Grab­sti­chel: einem vier­kan­tigen ge­här­te­ten Eisenstab mit rund, breit oder schräg zugeschliffener Spitze und einem fest verbundenen Holz­griff. Grabstichel gibt es in den viel­fäl­tigsten Ausführungen.

Zurück ins Jahr 1754, und zwar nach Südafrika: Dort hatte der fran­zö­si­sche Mathematiker Nicolas Louis de Lacaille jahrelang genauestens rund 10.000 Ster­ne des südlichen Ster­nen­him­mels ver­mes­sen, den er da­rauf­hin durch fünf­zehn neue Stern­bil­der genauer struk­tu­rier­te. Tech­ni­sche Geräte wurden damals sehr ge­schätzt, und so bekam eines der neuen Stern­bilder die Be­zeich­nung „Grab­stichel“ (lateinisch: Caelum). Kurz­um: Eine Her­stel­lungs­tech­nik der Spiel­kar­ten hatte das Universum erreicht!

Folgendes Bild zeigt rechts einen abstrakt gezeichneten Grabstichel mit extrem schar­fer Spitze; es gibt ihn auch mit mehreren Knicken, um schwer erreichbare Plattenteile zu bearbeiten. Eine solche ge­knick­te Ver­sion mag de Lacaille vor­ge­schwebt haben, als er dem links skiz­zier­ten (aber künstlerisch ver­zerr­ten) Stern­bild mit den vier licht­stärk­sten Ster­nen den Namen „Grab­sti­chel“ gab:

Zweimal Grabstichel

Foto: eigene Skizze

Die Astronomie unterteilt den Him­mel in 88 Sternbilder, 48 auf der Nordseite und 40 auf der Südseite. Flä­chen­mä­ßig steht der Grabstichel zwar nur an 81. Stelle, für das Gra­vie­ren und für künstlerische Pro­duk­te hat er aber unverändert hohe Be­deu­tung.

Kommen Sie ins „Deutschen Spiel­kar­ten­mu­se­um“ in der Schön­buch­straße 32 am 1. April und am 5. April (Oster­sonn­tag) von 14 bis 17 Uhr sowie am 29. März von 14 bis 17 Uhr ins Stadt­museum, Haupt­straße 79, jeweils mit Vorträgen ab 14:15 Uhr.

Tel. 0711 7560 120

www.foerderverein-spielkartenmuseum.de,

spielkartenmuseum@le-mail.de


(V. Claus)